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Geschichte

Streiflichter in der Geschichte eines Familienunternehmens

Bäume sind das Wahrzeichen des Hotels – seit drei Generationen und 115 Jahren. Das Parkhotel Bellevue, seit 1926 im Besitz der Familie Richard, wurde 1901 als eines der ersten Hotels von Adelboden erbaut. Nach einem Brand erfolgte 1931 der Wiederaufbau – nun als Steinhaus und im Stil der klassischen Moderne.

Die Anfangszeit war bewegt und turbulent. Auf diese folgten Jahre des steten Auf- und Ausbaues zum heutigen Spa- und Ferienhotel. Die vollständige Geschichte des Hotels erfahren Sie in drei Kapiteln:

1. Generation: Zweimal beginnen

1901 | Lehrer Fritz Allenbach lässt das Hotel Bellevue als Holzbau mit Seitentürmen und -erkern bauen. In Adelboden entstehen 1901 etliche weitere Hotels. Den Hotelboom lösen Lehrer und Bauern aus, die sich – vergleichbar mit den nach Amerika ausgewanderten Goldgräbern – vom neuen Geschäft Reichtum oder zumindest eine sichere Existenz erhoffen. Ganze Familien helfen als Bürgen bei der Finanzierung der Bauten mit. Parallel dazu erfährt Adelboden eine Art «Kolonisierung» durch Hoteliers aus dem inneren Oberland, das von englischen Touristen schon fünfzig bis siebzig Jahre zuvor erobert worden ist. Doch da sich in diesen Gebieten schon um die Jahrhundertwende eine Sättigung an Hotelbetrieben abgezeichnet hat, expandieren sie in das noch unberührte Engstligental. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erfährt die blühende Tourismusbranche einen ersten Rückschlag. Die Gäste bleiben aus, die Logiernächte sinken beträchtlich.

1919 | Nach Kriegsende übernimmt die Kantonalbank von Bern (heute Berner Kantonalbank) das Hotel Belleuve und baut es zu einem für damalige Begriffe modernen Hotel aus. Die Bäder, die in einem Teil der Zimmer eingebaut werden, entsprechen höchsten Komfortansprüchen. Das Bellevue wird als Kuranstalt mit Dr. G. Schaer als Arzt und A. Wenger als Hoteldirektor geführt und heisst fortan Parkhotel Bellevue.

1924 | Ende Winter stürzt eine Lawine vom Schwandfeldspitz – es gibt noch keine Lawinenverbauungen – zu Tal und bricht durch die Hotelmauern in den Speisesaal. Die Kellner sind gerade dabei, den Raum für das Mittagessen vorzubereiten. Es kommt glücklicherweise niemand zu Schaden.

1926 | Das jungverheiratete Paar Hans und Elisabeth Richard-Bohren kauft das Hotel. Doch mit dem Sanatoriumsbetrieb, in welchem Dr. Schaer seine Dauerkranken pflegt, tun sich die jungen Hoteliers eher schwer. Hans und vor allem der aus einer Grindelwaldner Hoteliersfamilie stammenden Elisabeth – sie wuchs mit sechs Geschwistern im heutigen Grandhotel Regina auf – schwebt vielmehr die Führung eines wirklichen Hotels vor. Es kommt zu einem Zielkonflikt mit Dr. Schaer. Schliesslich trennt sich das Ehepaar von ihm.

1928 + 1931 | Geburt von Hans Rudolf (1928-2007), dem ersten Kind, und Beat Peter (1931-2001), dem zweiten Kind.

1931 | Im März brennt das Hotel bis auf seine Grundmauern nieder. Die Ursache des Brandes bleibt unklar, es wird ein elektronischer Kurzschluss vermutet. Im gleichen Jahr wird das Hotel von den progressiven Architekten Urfer & Stähli aus Interlaken – sie zeichneten auch für die modernen, heute unter Denkmalschutz stehenden Schwimmbaubauten von Interlaken und Wengen verantwortlich – als Steinhaus und im Stil der klassischen Moderne wieder aufgebaut.

Die Architektenwahl ist mutig, denn der Neubau ist bedingungslos modern und stösst bei der einheimischen Bevölkerung teilweise auf Entrüstung, zumal er mit dem bäuerlich geprägten Bild von Adelboden stark kontrastiert. Hotelbauten, die im Stil des Neuen Bauens errichtet sind, sind im Schweizer Alpenraum rar. Im Berner Oberland gibt es deren gerade zwei. Dies hat einen Grund: Nach dem Ersten Weltkrieg erlässt der Bundesrat ein Hotelbauverbot, das bis nach dem Zweiten Weltkrieg Gültigkeit hat. Nur weil es sich beim Parkhotel Bellevue um einen Ersatzbau handelt, darf das Hotel neu errichtet werden. Es genügt höchsten Komfortansprüchen. Wie auch alte Prospekte zeigen, betonen die Hotelbetreiber die Ästhetik der neuen Zeit und das neue Lebensgefühl.

1935 | Hans Richard stirbt im Alter von 41 Jahren an Tuberkulose. Seine Frau Elisabeth führt das Hotel vorwiegend allein weiter.

1943 | Zu den historischen Schlüsseldaten gehört der Besuch von General Guisan mit seiner gesamten Heeresführung anlässlich der Schweizerischen Skiarmeemeisterschaften.

1944 | Der Bund lässt das Hotel für militärische Zwecke beschlagnahmen und quartiert ca. 40 amerikanische Flieger als Internierte ein. «Normale Gäste» werden nicht mehr beherbergt. Die Neutralitätspolitik der Schweiz gebietet die Internierung von notgelandeten amerikanischen Fliegern, die so nicht mehr für weitere Bombenangriffe gegen Deutschland eingesetzt werden können. Der amerikanischen Flugbesatzung – alles Offiziere und Unteroffiziere – werden keine Internierungslager zugemutet. Zwar lässt der Bund die Flieger von einem Bewachungsdetachement überwachen. Das tut jedoch dem luxuriösen Lebenswandel der Amerikaner keinen Abbruch. Sie führen ein Leben in Saus und Braus. Zeugnis davon ist auch der nie wieder erreichte Whiskyverkauf der damaligen Zeit.

Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsjahre stellen die grösste Zäsur in der Geschichte des Hotels dar. Auch nach dem Krieg bleiben die Gäste aus – die Schweizer zieht es für Ferien ins Ausland, den ausländischen Gästen fehlen die Mittel für eine Reise in die Schweiz. Eine Erholung stellt sich erst Mitte der Fünfzigerjahre ein, nicht zuletzt dank der Errungenschaft des bezahlten Urlaubes, der sich nach und nach in allen Gesellschaftsschichten etabliert.

1958 | Das Hotel wird mit einem eingeschossigen Anbau auf der Südwestseite erweitert. Es entstehen ein neuer Speisesaal sowie im Untergeschoss ein Spielraum für Erwachsene mit Indoorcurling und -golf.

1964 | Der Bau von 1964 stellt ein Meilenstein im Aufbau des Hotels dar. Auf der Rückseite des Hotels wird eine leistungsfähige Küche mit Lager- und Kühlräumen gebaut. Ab 1964 arbeiten die beiden Söhne Hans Rudolf und Beat ständig im Betrieb mit.

2. Generation: Aufbau und Konsolidierung

1966 | Heirat von Hans Rudolf Richard (1928-2007) und Julia Dudler (1939-2010). Zwischen 1967 und 1974 kommen die fünf Kinder des Ehepaares zur Welt: 1967 Andreas, 1968 Franziska, 1970 Annemarie, 1971 Bernhard und 1974 Hans Rudolf.

1969 | Beat Richard realisiert nach einigen Semestern an der ETH in Zürich den Erweiterungsbau des Scotch Clubs 69, ein nach englischem Vorbild gestaltetes Dancing mit Bar und Restaurant, das er sodann auch betreibt. Der riesige Fels im ausgesucht eingerichteten Lokal erlangt bald einmal über die Kantonsgrenzen hinaus Berühmtheit wie auch die Live-Jazzmusik und die auf französische Bistrogerichte und Klassiker ausgerichtete Küche. Der Scotch Club 69 wird zum Treffpunkt der Ausgehfreudigen. Selbst aus Bern und weiter strömt das Publikum für einen Abend ins Engstligental.

1970 | Hans Rudolf und Julia Richard übernehmen nach dem Tod von Elisabeth Richard offiziell die Führung des Hotelbetriebes. Beat Richard leitet den Scotch Club 69. Ein Jahr später scheidet er aus dem Betrieb aus und übernimmt den Gasthof Hirserenbad im emmentalischen Ursenbach.

1970–1995 | Die schwierigen Jahre sind endgültig vorbei. Mit dem Betrieb geht es Jahr für Jahr aufwärts, was sowohl dem konjunkturellen Aufschwung wie auch einer umsichtigen Geschäftsführung zuzuschreiben ist. Das Ehepaar setzt auf die individuelle und persönliche Betreuung der Gäste. Der kontinuierliche Aufbau ermöglicht in den folgenden dreissig Jahren immer wieder grössere bauliche Investitionen: 1972 wird der Bau des Hallenbades realisiert, 1974 werden Hoteleingang, Reception und Halle neu gestaltet. In den Achtzigerjahren erkennt man das Gästebedürfnis nach Individualität und baut 1983 mit dem Gartenflügel, einem in den Garten hineinreichenden Zimmertrakt, zwanzig völlig unterschiedlich gestaltete Zimmer und Familienappartements. 1991 werden die Zimmer im Haupthaus renoviert.

3. Generation: Wellness und neuzeitliches Bauen

1995 | Andreas Richard übernimmt als Direktor im Alter von 28 Jahren die Führung des Hotels. Seine Mutter Julia unterstützt ihn weiterhin, Hans Rudolf Richard hingegen zieht sich altershalber aus dem operativen Geschäft zurück.

1999 | Der Lothar-Sturm sorgt auch im Hotel für einen abenteuerlichen Jahrtausendwechsel und wirft den Betrieb vom 26. bis 30. Dezember in mittelalterliche Verhältnisse zurück. Der vor allem über Frankreich und die Schweiz fegende Sturm lässt am Stefanstag die gesamte Stromversorgung des Ortes zusammenbrechen. Während der kommenden vier Tage gilt es, ohne Elektrizität und ohne warmes Wasser auszukommen. Festtagsstimmung kommt in der Altjahrswoche dennoch auf. Die mehrgängigen Festtagsmenüs werden an der Feuerstelle und mit Hilfe von Gasherden gekocht und bei Kerzenlicht aufgetragen. Nicht wenige Gäste können – wie Einträge im Gästebuch zeigen – der Ausnahmesituation durchwegs etwas Positives abgewinnen.

2000 | Durch den starken Schneefall im Februar kommt es zu einer Verschüttung der Strasse Frutigen–Adelboden – der Ort bleibt mehrere Tage von der Umwelt abgeschnitten. Mit der steigenden Lawinengefahr ordnen die Behörden, sich an die «Bellevue-Lawine» von 1924 erinnernd, die Evakuierung der Hotelgäste an – dies, obschon der Berg mittlerweile mit einer starken Lawinenverbauung vor herabstürzenden Schneemassen geschützt ist. Aufnahme findet das gesamte Parkhotel für drei Tage im Hotel Regina.

2001 | Grosser Ausbau des Wellness-Centers «pour». Es entstehen ein Sole-Freibad und grosszügige Ruhepavillons im Garten, im Erdgeschoss Beauty- und Massageräumlichkeiten sowie ein Fitnessbereich. Das Hotel heisst fortan Parkhotel Bellevue & Spa.

2006, 2008 + 2009 | Bauen mit den Basler Architekten Buchner Bründler. Sie realisieren den Umbau der Restaurants mit Bar + Lounge (2006), die Renovierung von 22 Zimmern und Suiten (2006 + 2008) und zeichnen für die Komplettsanierung des Hallenbades mit Saunas und Dampfbädern (2009) verantwortlich.

2010 | Das Ehepaar Irene und Martin Müller übernimmt die Direktion des Parkhotels Bellevue. Das Hotel bleibt in Familienbesitz.

2013 | Umbau des Erdgeschosses mit Hoteleingang, Halle und Restaurant. Der Umbau wird in Zusammenarbeit mit den Architekten Buchner Bründler realisiert.

2015 | Denise Mani und Daniel Schüpfer leiten seit Frühling 2015 die Geschicke des Hotels. Im Frühling 2015 kommt es auch zu einem umfassenden Umbau von 21 Südzimmern im Haupthaus. Dabei werden die Grundrisse und einige Fensterpartien vergrössert. Die geringfügige Veränderung der historischen Fassade geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Heimatschutz.

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